Montag, 10. November 2008

Ein Schlagball kann eine Waffe sein...

...zumindest in der Hand eines professionellen Cricket-Spielers. Nicht in meiner allerdings - noch nicht! Jedenfalls habe ich am Wochenende probiert Cricket zu spielen bzw. geuebt, wie man diese doch ziemlich massive Lederkugel sachgerecht "bowled". Man wirft das Ding ja nicht einfach, nein englische Gentlemen haben jahrelang daran gearbeitet diesen Vorgang moeglichst seltsam aussehen zu lassen. Man laeuft also an, macht einen kleinen Huepfer, reisst den linken Arm herunter um gleichzeitig mit gestrecktem rechten Arm den Ball in Richtung "Batter" zu katapultieren. Das Resultat: Muskelkater an Stellen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Oder koennte das an der wilden Tanzerei auf der Cross-Dressing Party am Wochenende liegen? Man weiss es nicht. Wahrend das Wochenende arbeitsmaessig eher ein verlorenes Wochenende war, habe ich mich heute aufraffen koennen frueh aufzustehen (8.00 Uhr!! Fuer meine Verhaeltnisse frueh.) und eine Zusammenfassung meiner DA fuer die ECPR-Konferenz in Lissabon zu schreiben. Juhu! Jetzt werde ich wieder ein paar Daten in die Mangel nehmen. Ein herrlicher Tag...

Donnerstag, 6. November 2008

Highlights der Woche

Highlight Nr. 1 - Obamas Wahlsieg
Ist natuerlich das wichtigste Highlight der Woche (der naechsten Jahre). Was soll ich sagen? Juhu! Nachdem meine Einstellung in den letzten Jahren vom Idealismus (und dem Glauben daran, dass sich in der Welt etwas veraendern laesst) immer weiter in Richtung Zynismus driftete, waechst da jetzt wieder so ein kleines Pflaenzchen Hoffnung... Barack enttauesch' mich nicht! Naja, wird schwer genug werden... Jedenfalls wurde der Wahlabend im College gebuehrend begangen. Ca. 50 Leute hatten sich im JCR versammelt um wie gebannt die neuesten Exit-Polls zu verfolgen. War kaum ein Platz zu finden. Allerdings habe ich mich dann relativ frueh zureckgezogen, weil ich am naechsten Morgen noch ein Gespraech mit meinem Supervisor hatte.

Highlight Nr. 2 - High Table Dinner mit John Goldthorpe und Yossi Shavit
Das fand noch vor dem grossen Wahlabend statt. Das High Table Dinner ist ein formales Abendessen, das im Grunde jedem College Member offensteht und relativ haeufig zelebriert wird. Der Clou ist, dass man sich da schick in Schale schmeisst (inkl. Gown) und sehr gutes Essen und sehr guten Wein serviert bekommt. Man kann das ganze ruhig unter den etwas fragwuerdigen Traditionen abspeichern. Aendert nichts daran, dass es sehr unterhaltsam ist. Einmal pro Term duerfen wir kostenlos daran teilnehmen, oder aber wir haben jemanden, der uns einlaedt. Das hat mein Supervisor getan, und ich habe es nicht bereut. Denn es waren naemlich auch John Goldthorpe und Yossi Shavit da. Und wessen Soziologenherz wuerde da nicht hoeher schlagen? Na gut, das der Leute die sich nicht fuer Mobilitaetsforschung interessieren...
Ich durfte also neben John Goldthorpe sitzen, und mit dem kann man sich wirklich gut unterhalten. Er hat erzaehlt, dass Eriksson und er, immer wenn sie nach Mannheim gefahren sind, lieber in Heppenheim uebernachtet haben; dass sie dem Hotelierehepaar im "Constant Flux" eine Danksagung gewidmet haben (muss ich gleich mal nachschauen), und dass seine Tochter ja auch in Bayern wohnt. Anzuegliche Witze hat er auch noch drauf. Herrlich.
Nachdem Essen gab's dann noch einen gemeinsamen Kaffee. Und das war dann die Gelegenheit um Yossi Shavit kennenzulernen. Yossi und John sind zusammen unschlagbar komisch. Kumpels, die sich halt gegenseitig auf die Schippe nehmen. Folgende Episode hat sich dann abgespielt:
[Thema: der "Credit-Crunch"]
Yossi [besorgt]: "Now Communism has failed, Capitalism is struggling, what will be next?"
John [winkt ab]: "Ah, things will go on in a much more normal way than we now believe. You know, I don't believe in this talk about great historic upheavals. [kleine Kunstpause] That's all Giddens-and-Beck-Bullshit!!"
In diesem Sinne...

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Endlich, Tim hat einen Blog (wann kommt das Handy??)

Hallo an alle!

Ich weiss, ich habe mir ziemlich viel Zeit gelassen, endlich mal etwas in diesem wunderschoenen Blog zu posten. (Der mir uebrigens von meinen lieben Mannheimer LS-Leuten gestiftet wurde...)

Die einen werden es auf meine vermeintliche Technikfeindlichkeit schieben ("Tim, wann kaufst Du Dir endlich ein Handy?!" oder "Waaas, Du willst Dir eine Analogkamera kaufen?? Warum denn das zur Hoelle?!" oder "Tim, Social Networking ist nichts Boeses..."). Ja, es ist ja gut. Ich bin uebrigens nicht technikfeindlich. Ich bin ein grosser Stata-Fan (eigentlich mag ich's deswegen so gern, weil es mich immer an die alten 8086er-Rechner erinnert). Is' ja auch egal. So'n Blog ist schon was Feines. Und jetzt, wo ich auch selbst ein paar Fotos gemacht habe, lohnt es sich auch mal etwas ueber den Alltag hier in Oxford zu berichten (und ein paar Fotos hochzuladen).

Dann mach' ich das doch mal.

Ich wuerde sagen, ich habe mich inzwischen recht gut eingelebt. Man unternimmt hier aber auch alles moegliche, damit sich Neuankommlinge auch gleich wohlfuehlen. Die 10000 Willkommens-, Einfuehrungs- und Kennenlernveranstaltungen habe ich, glaub' ich, schon erwahnt... (Man fuehlt sich direkt nochmal wie ein Ersti.) Das Nuffield College ist im besten Sinne das, was man mit "Gemeinschaft" bezeichnen kann, mit allen positiven und negativen Eigenschaften, die Gemeinschaften so haben koennen. Positiv ist auf jeden Fall, dass man keine Angst vor Vereinsamung haben muss, dass man immer einen Ansprechpartner hat, dass es so schoen einfach ist, mit jedem in Kontakt zu kommen (auch mit den wichtigen und beruehmten Wissenschaftlern). Natuerlich wird man aber von dieser Gemeinschaft auch immer ein wenig in Beschlag genommen: Die meisten Leute wohnen hier im College, man trifft sich immer bei irgendwelchen Vortraegen, man isst gemeinsam, gemeinsamer Tee oder Kaffee nach dem Essen gehoert irgendwie auch dazu, und ein Dreh- und Angelpunkt ist natuerlich auch immer die Nuffield-Bar (wobei die Leute mit den Top-Ten-Barrechnungen am Ende eines Terms zur allgemeinen Belustigung geehrt werden. Ich bin gut dabei, obwohl ich das eigentlich nicht als Wettbewerb sehe. Mmh.). Keine Angst, noch habe ich keinen "College-Koller", aber ich sehe ein, dass man dem College auch mal irgendwann entfliehen muss... Das naechste grosse Gemeinschaftsprojekt, was ansteht, ist die Vorbereitung des legendaeren "Christmas-Pantos". Es ist naemlich so: Das College veranstaltet zu Weihnachten ein Christmas-Dinner. Im Anschluss daran ist es gute Tradition (wie so vieles anderes hier, ich werde dem mal einen extra Post widmen), dass alle "Freshers" (inkl. der neuen Fellows und Gastwissenschaftler) ein kleines (selbstgeschriebenes!) Theaterstueck auffuehren. In diesem Stueck (="Panto(mime)") wird alles und jede/r irgendwie durch den Kakao gezogen, besonders aber alles, was sich ums College dreht. Es ist tatsaechlich so, dass die Leute, die in dem Stueck nicht verar... werden, hinterher sogar ein wenig beleidigt sind. Leider muss es aber bis zur Auffuehrung des Stuecks ein Geheimnis bleiben, wovon es handeln wird. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich eine groessere Rolle uebernehmen darf - das ist allerdings weniger auf meine sagenumwobenen schauspielerischen Faehigkeiten zurueckzufuehren, als vielmehr darauf, dass ich einfach von Natur aus lustig aussehe. Ein Herzstueck des ganzen ist es uebrigens, dass die Hauptcharaktaere "cross-dressed" sind. Also, Maenner spielen Frauen und umgekehrt. Hach, schoen. Wie oft habe ich Steffi schon angebettelt, dass ich ihr schoenes Kleid auch mal anziehen darf?! Dieses Panto ist allerdings auch ein Stueck "Gemeinschaft" dem man sich definitiv nicht entziehen kann, selbst wenn man wollte (und es wird sehr viel Vorbereitung in Anspruch nehmen).

Vielleicht fragt sich der geneigt Leser nun "Mensch, der Tim, der ist doch eigentlich da, um seinen PhD (bzw. DPhil) zu machen. Wieso schreibt der denn immer nur ueber so'n bloeden Socializing-Kram? Arbeitet der denn auch?" Aehm, ja... schon irgendwie. Aber ich habe z.B. keine Kurse zu belegen (nur ein PRS-Seminar, in dem man nochmal von der Pieke auf erklaert bekommt, wie man eine Dissertation schreibt), und zugegebenermassen belege ich auch nicht allzuviel auf freiwilliger Basis. Zu meiner Verteidigung moechte ich sagen, dass das Vorlesungsverzeichnis zwar wirklich einige interessante Sachen beinhaltet, aber nichts, was jetzt so hunderprozentig wichtig fuer mich waere. Ich nehme aber an allen Vortraegen teil, die vom Sociology-Department und dem College so angeboten werden (und sich in diesem Term besonders haufig mit religionssoziologischen Themen befassen). Allerdings gibt es hauefiger Methoden-Workshops, von denen ich noch den einen oder anderen belegen moechte (Macht meiner Meinung nach mehr Sinn, als eine Oekonometrie-Vorlesung nach der anderen zu besuchen). Am wichtigsten ist es aber, dass ich mich woechentlich mit meinem Supervisor Nan Dirk treffe, und er eigentlich immer eine Aufgabe fuer mich hat, damit ich kontinuierlich auf meine Diss hinarbeite. Und das funktioniert auch sehr gut. Meine Hauptarbeit besteht deswegen zur Zeit hauptsaechlich im Lesen und darin, dass ich geeignete Datensaetze und Indikatoren finde (und dokumentiere)... Und natuerlich darin, dass ich immer brav die religionssoziologischen Vortraege besuche und ab und zu auch mal was Schlaues sage (ich werde immer besser...). Eine kleine Anmerkung zur Qualitaet der gebotenen Vortraege: Bisher habe ich ...mmh... sechs Vortraege besucht, wobei die Themenauswahl von Netzwerktheorie ueber Voting Behaviour bis zu klassisch religionssoziologischen Themen reichte. Vier dieser Vortraege waren mittelmaessig bis schlecht, aber immerhin zwei davon auch sehr gut. Insgesamt sind alle Leute der Meinung, dass das mit den Vortraegen noch besser werden muss. (Ich werde das vielleicht noch detaillierter beschreiben.) So, ich wuerde sagen, das reicht fuer den heutigen Post mal. Zeit fuer ein paar Fotos! Ein paar dieser Fotos habe ich von meinem Kumpel Moritz "geklaut" (Matriculation Ceremony), die anderen (qualitativ ziemlich schlechten Fotos) habe ich selbst gemacht als Steffi am Wochenende zu besuch war. Dafuer, dass sie mit einer Einwegkamera gemacht worden sind, sind sie soo schlecht aber auch nicht. (Meine eigene Digitalkamera - ich nenne sie ja gerne liebevoll "Backstein" - bleibt bis auf weiteres leider verschollen. Ihr koennt Euch also noch auf weitere kuenstlerische Einwegkamera-Fotos freuen.)


Matriculation Ceremony (18.08.08)

Aeh, ja das bin ich im "Sub Fusc" nachdem wir das offizielle College-Foto geschossen hatten. Kleine Anmerkung: Zum Outfit gehoert auch noch dieser ulkige Doktorhut. Aber: den setzt man tatsaechlich erst auf, wenn man seinen Dr. auch hat. Ansonsten traegt man ihn bloed mit sich herum.







Ach, und das ist sind die anderen "Freshers". Was soll man sagen... Pinguine auf der Stange? Stellt Euch bitte vor, dass am Matriculation Day die gesamte Stadt mit diesen Gestalten bevoelkert ist. Gluecklicherweise wird dieses Outfit wirklich nicht allzuoft gebraucht.












Nach der gelungenen Matriculation, natuerlich ein Bier (und schockierende Geschichten, wie man sieht). Noch was: Alle sehen natuerlich unheimlich gewaschen und gestriegelt aus. Nach diesen Eingewohenungswochen normalisiert sich das Erscheinungsbild aber langsam. Jeff (links unten, Mund offen) und Anthony (stehend, Siegerlaecheln) sehen jetzt wirklich wieder wie normale Studenten aus (mit dazugehoerigem Drei-Tage-Bart).









Impressionen aus Oxford (25.08.08)









Ein Parkplatz. Im Hintergrund: Nuffield College (der Turm gehoert auch dazu).











Da waren wir am Canal spazieren. Sehr idyllisch.










Eine Strasse in Cowley. Ja, eine Strasse. Dieses Foto koennte ich mir stundenlang anschauen...














Jetzt eine kleine Fotostrecke zum Thema "Zurueck ins Mittealter". Beginnen wir mit dem New College (14. Jahrhundert).









Und hier: das Sheldonian Theatre (Erbaut im 17. Jahrhundert, ziemlich neu.)


























Sehen Sie nun eine typische Oxforder Strassenszene aus dem 18. Jahrhundert. Gut zu erkennen an der traditionellen Tracht der religioesen Wuerdentraeger und der Magd im Vordergrund. Aehm, Moment... das war ja letzten Samstag!




...da waren naemlich grosse "Healing-Wochen" bei McDonald's!!
Nein jetzt mal ernsthaft. Ich verstehe, warum so viele Leute ueber religioese Maerkte usw. reden. Es war tatsaechlich so, dass an diesem Samstag die Fussgaengerzone bevoelkert war mit religioesen Anbietern jeder Richtung. Ein paar Meter weiter konnte man auf Muslime, Buddhisten und eben diese katholische Prozesion (oben) treffen. Gibt einem das gute Gefuehl, dass es noch einiges zu erforschen gibt...







So das reicht jetzt aber erstmal. Bis die Tage!